25.02.2011

Gescheiterte Ehe

Gescheiterte Ehe

Ahorn - Die Cornelia ist sensationsgeil und neidisch, der Georg teilnahmslos und träge, die Vroni pfiffig und der Jo tollpatschig. Einmal im Jahr schlüpfen Krankenschwester, Betriebswirt, Kindergärtnerin oder Kfz-Sachverständiger in Rollen, die nicht ihre sind und doch im Laufe der Probenarbeit zu ihren werden. Eine Herausforderung ist es allemal, und die Schauspieleleven der Theaterabteilung der Spvg Ahorn, die in ihrem schauspielerischen Können längst den Kinderschuhen entwachsen sind, setzen immer noch eins drauf – in Gestik und Mimik.

Subtiler Ausdruck statt Klischees

„Wir geben unseren Rollen das gewisse Extra an subtilem Ausdruck. Das sind mehr als die üblichen Klischees, dass sich der Mann machomäßig in den Schritt greift, er streicht vielmehr übers Kinn“, erklärt Fred Kedziora, der Projektsteurer, der aus Dortmund nach Ahorn und über die Mitarbeit im Kindergarten vor nunmehr 13 Jahren zum Theaterspiel kam. Im aktuellen Stück „Meine Frau bin ich“ wird Fred zum Georg: ein phlegmatischer Kauz, der sich mit seiner Ehefrau Bärbel auseinander gelebt hat. Das frustrierte Ehepaar, das einen Landhandel betreibt, nervt damit auch sämtliche Angestellten.

Ein Professioneller ist er, der Fred-Georg. Er hat zahlreiche Kurse und Workshops besucht und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Projektleiter im Erfahrungsfeld Theater, ein Modul zum Theaterpädagogen. Mit ihm die Schulbank drücken die Regisseurin Birgit Eckl und Frank Endrich.

Alles begann vor 15 Jahren

Vor 15 Jahren begann in Ahorn unter dem Dach des Sportvereins ein zusammengewürfelter Haufen mit dem Theaterspielen. Eine, die damals das Heft in die Hand nahm, ist Birgit Eckl. Sie ist, das gibt sie zu, eine Perfektionistin, eine Sicherheitsfanatikerin. Auch deshalb legte sie als Regisseurin von Anfang an den Fokus auf Professionalität, wollte aus dem Laienspiel herauskommen und Theater auf die Bühne bringen. Nach zehn Jahren Laientheater schlossen sich die Ahorner Bühnenakteure dem Bund Deutscher Amateurtheater und dem Verband Bayerischer Amateurtheater an. Damit konnten Kontakte geknüpft, Workshops und Kurse bei ausgebildeten Theaterpädagogen und Schauspielern belegt werden. Um Körperarbeit geht es, um die Fantasie, der Rolle einen Charakter zu geben, um das emotionale Sprechen. Das Wort „Nein“, sagt Birgit Eckl, kann man eben auf verschiedene Art und Weise ins Publikum schleudern: ängstlich, forsch, bestimmend. Wer in Ahorn auf die Bühne will, muss einen Grundkurs besucht haben.

Längst wird auch nach Profi-Art geprobt. Vor dieser Theatersaison mussten sich alle Darsteller bei einem Workshop im Bayerischen Wald intensiv mit ihrer Rolle auseinandersetzen und eigene Rollenbiografien erarbeiten. Aus der Rolle wird ein Charakter, und den muss jeder für sich selbst finden. Genau so wurde aus Fred Georg.

Für den ist es die Faszination Theater, die ihn immer wieder begeistert. „Mann muss sich selbst die den Charakter auf der Bühne ausloten. Man gibt etwas von sich preis und nimmt etwas zurück. Man spielt sich einfach frei.“

Coburger Tageblatt Logo Gabi Betram

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