12.08.2011
Garten der Erinnerung
Neustadt - Zwei Jahre gibt es den Förderverein Neustadt zur Pflege von demenzerkrankten Personen, kurz "Gero-Live", erst. Und schon kann er eine Erfolgsmeldung präsentieren. An seinem Vorzeigeprojekt, dem "Garten der Erinnerung", wird ab kommender Woche kräftig gebaut. Der offizielle Spatenstich wird am Samstag, 13. August, um 10 Uhr auf dem Gelände in der Sonneberger Straße 27 erfolgen.
Wir wollen mit dem Bau und Betrieb des Gartens die Krankheit Demenz thematisieren und die Bevölkerung auf die stetig steigende Zahl der an Demenz Erkrankten aufmerksam machen", erläutert die stellvertretende Vorsitzende von Gero-Live, Margit Welscher. Und das ist wohl bestens gelungen. Denn der "Garten der Erinnerung" hat über die Grenzen hinaus als Modellprojekt für positive Schlagzeilen gesorgt.
"Das Projekt hat eine Gesamtfläche von 1.900 Quadratmetern und umfasst die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft. Damit sollen alle Sinne angesprochen werden, denn wir wollen damit das Gedächtnis anregen, da sich ein demenzerkrankter Mensch sehr wohl erinnert und dadurch ein großes Stück Lebensqualität erfährt", erläutert Architekt Leonhard Potsch. "Die größte Herausforderung war für mich, sich in die Problematik von Demenz einzulesen und die dann baulich so umzusetzen", ergänzt Potsch. Das bestätigt auch Carmen Müller, die als Sozialpädagogin am AWO Senioren- und Pflegeheim tätig ist: "Demenzkranke müssen eigentlich eine Einzelbetreuung haben. Mit dem neuen Projekt können wir Gruppenarbeit leisten."
Mit einer Wasserfontäne, einer Feuerstätte, einem Hochbeet und einem Gewächshaus wird der Garten dann unter anderem bestückt sein. Eine überdachte Cafeteria und sogar eine Bushaltestelle mit einem originalen Linienbus wird es geben. Alle Wege seien als "große Acht" angelegt, um die Unendlichkeit zu dokumentieren. Demzufolge wird es auch Orte der Stille geben sowie eine Art Kapelle mit einem Steinkreuz. "Alles Orte, an die sich die Erkrankten erinnern", sagt Klaus Großmann, Heimbeiratsvorsitzender.
Der "Garten der Erinnerung" ist dabei so konzipiert, dass er zwar eingezäunt ist, aber mit Bepflanzung und Sandsteinen so geschickt umrahmt wird, dass der Industriezaun nicht auffällt. Die Idee entstand freilich vom Pflegepersonal des AWO-Senioren- und Pflegeheims: "Wir haben erkannt, dass die Demenzkranken einen Freiheitsdrang verspüren und so kam uns der Gedanke, eine Freifläche so zu gestalten, dass unsere Bewohner zwar an der frischen Luft sind, dennoch unter Aufsicht bleiben", sagt Pflegedienstleiterin Elke Köhn. Studenten und Schüler werden das Projekt wissenschaftlich begleiten.
Kassier Norbert Gemeinhardt hält derweil die Finanzen unter Kontrolle: "Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf 186.000 Euro, davon sind 45.000 Euro Eigenkapital."