08.01.2011
Funky Feuerwerk
Coburg - "Hallo, Schwarzer Bär!" - Neun Mal geht der Gruß in den vollen Saal, und neun Mal hallt er im Chor zurück: "Hallo, Jürgen!", "Hallo, Anastasia!", "Hallo, Knödel!" Am liebsten würden sie ja jeden Einzelnen per Handschlag begrüßen, die Musikanten von "Ton in Ton", aber bei 200 Fans wäre das denn doch ein etwas zeitraubendes Vergnügen. Das familiäre Flair entsteht auch so im Nu an diesem Mittwochabend im urigen Beiersdorfer Wirtshaussaal - und tags darauf gleich nochmal. Und wieder prangt "ausverkauft" draußen vor dem Tor.
Die frohe Kunde vom etwas anderen Neujahrsempfang hat die Runde gemacht, seit Olaf Pilz und seine Kombo Anfang 2009 erstmals ihr musikalisches Feuerwerk zündeten, damals noch im privaten Kreis. 2010 brachten sie Coburgs Irish Pub schon an die Kapazitätsgrenze - und entschlossen sich darum nun zum Umzug in den Beiersdorfer "Bären", der für entspannten Konzertgenuss allemal den passenden Rahmen bietet. Und relaxed geht es zu, wenn "Ton in Ton" geschmackssicher in den popmusikalischen Schatztruhen der letzten 40 Jahre stöbern und ihrem Credo "Fine Music" mit Feeling und Originalität alle Ehre machen.
Zur Feier des Tages, bzw. Jahres haben sich die Sechs zum Nonett aufgerüstet, die verstärkte Bläsersektion macht den Jazzstandards und Funkkrachern gehörig Dampf, und Jonas Pilz, Sohn des vom E-Piano aus die musikalischen Drähte ziehenden Bandchefs Olaf, setzt nicht nur rockige Akzente mit der Stromgitarre, sondern demonstriert fabelhafte Fingerfertigkeit in einem Kabinettstückchen des Gitarristen Andi McKee.
"Gestandene Musiker" dominieren die Band, doch vokal gibt bei "Ton in Ton" die Jugend den Ton an: Anastasia Scheller, die seit "Aida" auch im Coburger Landestheater aufhorchen lässt, zieht ganz mühelos sämtliche Register ihrer ausdrucksstarken Stimme, vom russischen Volkslied über die geschmeidige Pop-Hymne und die packende Soul-Nummer bis zur prickelnden Jazz-Ballade. Und da sie von stimmstarken Herren umgeben ist, geraten selbst opulente Chorsätze wie der Queen-Klassiker "Somebody to love" zum Ohrenschmaus.
Heißblütig geht es vor allem im zweiten Konzertteil zu, wenn Percussionist Jürgen Stahl und Bassist Frank Remy die latin grooves anheizen und Carlos Santana Ton in Ton mit Herbie Hancock den Publikums-Puls beschleunigt. Und nach einer launigen Freestyle-Version von "Mendocino" bringen alle Neune ihr Selbstverständnis im Finalsong auf den Punkt: "I got the music in me". Wohl wahr!