31.08.2010

Ersetzt Maschine bald Bäcker?

Ersetzt Maschine bald Bäcker?

Anfang August sprach sich der Bau- und Umweltsenat der Stadt Rödental dagegen aus, dass ein Backautomat in einem Supermarkt der Stadt aufgestellt wird. Man wolle damit ein Zeichen setzen, um den bestehenden handwerklich arbeitenden Bäckereien nicht noch mehr "Konkurrenz vor die Nase zu setzen", so die Begründung. Während in der Nachbarstadt ein Stadtratsausschuss darüber befindet, ist es in Coburg keine Angelegenheit, die eine kommunalpolitische Entscheidung nach sich zieht.

Kaum ein Lebensmittelmarkt, der mittlerweile keinen Backautomat aufgestellt hat und betreibt. In der letzten Zeit gingen im Bauordnungsamt der Stadt Coburg immer wieder Bauanträge ein, die die Installation von Backautomat zum Inhalt haben. In den Backautomaten werden gekühlte und vorgebackene Teiglinge fertig gebacken. Zum Teil werden bei einigen Lebensmitteldiscountern extra Kühl- und Gefrierräume gebaut, wo Teiglinge gelagert werden. Manche Backautomaten werden vollautomatisch betrieben - der Kunde wählt per Knopfdruck Anzahl und Art seiner Backwaren, zum anderen steht der Kundschaft noch Personal zur Seite.

In der Bauverwaltung der Stadt Coburg wurde ausführlich darüber diskutiert, ob Backautomaten in einem Lebensmittelmarkt eines Senatsbeschlusses bedürfen. Im Bauamt der Stadt Coburg sieht man in der Aufstellung eines Backautomaten "keine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung". Schließlich gebe es auch an der Fleischtheke in einem Lebensmitteldiscounter warmen Leberkäse. Der Betrieb einer Mikrowelle sei ebenfalls nie Gegenstand von Abstimmungen im Bau- und Umweltsenat gewesen, verglich Günther Stammberger aus dem Bauamt die Situation. Weiter geben es nach dem Baugesetzbuch auch keine gesonderten Vorschriften für den Betrieb der elektrisch betriebenen Backöfen. "Es sind ja keine Feuerstellen."

In Deutschland stehen dem Backwarenmarkt sehr große Veränderungen bevor. Nun entschloss sich ein führender Lebensmitteldiscounter nach einer fünfjährigen Testphase dazu, in nahezu allen seiner etwa 1800 Märkten Backautomaten aufzustellen. Die Kunden können nun dort sowohl ofenwarme Brötchen als auch Brot via Knopfdruck ordern. Die georderte Ware wird in einem für den Kunden nicht sichtbaren Ofen frisch aufgebacken und man bezahlt diese Ware an der Kasse.

Nach einer Klage des Backhandwerks gegen seine neuen Backautomaten hat der Discounter die Kritik zurückgewiesen. In den Backautomaten finde anders als von den Bäckern behauptet sehr wohl "ein Backvorgang statt", erklärte jüngst eine Sprecherin. "Von einer bloßen ,Bräunung' der Ware kann nicht gesprochen werden."

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte eine Klage gegen den Konzern wegen irreführender Werbung für Brot und Brötchen aus den neuen Backautomaten auf den Weg gebracht. Die Bäcker werfen dem Discounter vor, dieser backe in den Backautomaten Brote und Brötchen nicht wirklich, sondern wärme sie nur auf oder bräune sie. Daneben vertreten die Bäcker die Ansicht, dass in einzelnen Brotsorten nicht die üblichen Mindestmengen von Mehl und Getreide verwendet werden.

Neue Presse Logo Christoph Winter

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