07.12.2010
Die Guten ins Töpfchen...
Ahorn - Solange die beiden Schwestern sich zurück erinnern können, gibt es am Heiligabend und am Silvesterabend Linsensuppe. Das bringt Geld im nächsten Jahr, sagt man. Und genau deshalb durfte auch keine Linse herunterfallen, weder beim Schöpfen aus dem Topf auf den Teller, noch beim anschließenden Essen.
Jede Linse verhieß ein verlorenes Geldstück. Noch heute pflegen Gerda Bauersachs und Brunhilde Renner diesen alten Brauch – manchmal sogar öffentlich wie bei der Museumsweihnacht in Ahorn. Zwar warten sie noch immer auf einen ordentlichen Geldsegen, aber eigentlich geht es gar nicht darum. „Mer ham so keen’s und so keen’s“, lacht Gerda Bauersachs.
Heute ist es einfacher. Linsen gibt es in jedem Supermarkt, und ausgelesen werden müssen sie auch nicht mehr. Früher, erinnern sich die Schwestern, wurden Linsen an einem Eckchen vom Feld angebaut. Wenn sie reif waren, wurden sie mit der Sense gemäht und in der Scheune in „Häufle“ zum Trocknen aufgestellt. Im November wurden die Linsen mit der Dreschmaschine gedroschen. Viel Unkraut und Spelzen waren mit dabei. Kurz vor Weihnachten ging es dann ans Linsenlesen. In der warmen Küche hat man um den Tisch herum gesessen, geschwatzt und Tee getrunken.
Die Linsensuppe kochen Gerda Bauersachs und Brunhilde Renner noch heute nach dem alten Rezept: Kartoffeln müssen rein für die Sämigkeit, Möhren, Porree, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, „a bissle“ Zucker und ein bis zwei Löffel Essig. Zum Schluss wird eine Einbrenne – geschmolzene Butter und Mehl – darunter gerührt. Ob es dann nach den Linsensuppen am Weihnachts- und am Silvesterabend mit dem Geld klappt, darüber können die Landfrauen nur lachen. Gesundheit ist wichtiger und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.