27.08.2010
Der Berg ist das Ziel
Wer Frank Elsner kennt, der schätzt ihn sicherlich. Er ist ein dufter Kumpel, um es salopp zu sagen. Und das, obwohl er sich Weltmeister nennen darf. Doch Titel sind für ihn zum einen nichts Neues, zum anderen präferiert er andere Werte: Ehrlichkeit, Zielstrebigkeit und Freundschaft - um nur einige zu nennen. Dennoch holt er für die Neue Presse die Goldmedaille heraus, streift das Siegertrikot mit der originalen Startnummer über und joggt locker, lässig durch den gepflegten Garten. "Wir wurden damals am 6. September 2008 überlegen Weltmeister", erinnert er sich, als ob der Lauf gestern gewesen wäre. Die 11,25 Kilometer lange Strecke bis zum 1200 Meter hohen Gipfel, mit rund 850 Höhenmetern, galt es für die drei Deutschen zu überwinden. Nach einem Kilometer lag Paul Sichermann auf dem zweiten Platz, daran sollte sich auch nichts mehr ändern. Mit nur 1:31 Minuten Rückstand zum siegreichen Amerikaner erreichte der 43-jährige Meinhardswinder in 51:51 min als Vizeweltmeister das Ziel. Die Bronzemedaille ging ebenfalls nach Deutschland: Der frisch in die M40 "aufgestiegene" Siegfried Krischer (TSV Leverkusen) wurde in 52:35 min Dritter. Frank Elsner (SV Bergdorf Höhn) komplettierte als Zehnter in 55:14 min die deutsche Bilanz an der Spitze und trug mit dazu bei, dass sich das deutsche Trio in der Mannschaftswertung über den Titel freuen konnte. "Wir siegten mit der geringsten Punktzahl", erläutert Elsner das Prozedere "15 Punkte standen für die jeweils erzielten Plätze. Die Gesamtzeit aller drei Läufer war also nicht ausschlaggebend."
Die Leistung des gebürtigen Unterlinders ist umso höher zu bewerten, da in der tschechischen Kleinstadt Dolní Morava, bei den achten Berglauf-Weltmeisterschaften der Senioren, Sportler aus 28 Nationen den Weg bis dicht an die polnische Grenze fanden. "Ich bin durch meinen Nachbarn zum Laufen gekommen", beantwortet er seine Affinität zu dieser Sportart "und habe damals bei Keramik Sonneberg im wahrsten Sinne des Wortes das Laufen gelernt." Nach der Wende wechselte Elsner zum damaligen VfL Neustadt und kam durch Rolf Stejskal zum SV Bergdorf Höhn. Dort trainiert Elsner eher für sich, im Stillen, und legte natürlich für die Weltmeisterschaft jede Menge Trainingseinheiten nach. "Ein halbes Jahr habe ich kontinuierlich Aufbauarbeit geleistet und im Thüringer Wald bei Seltendorf und Rauenstein die Steigungen erklommen", erläutert Elsner und man sieht ihm den Spaß am Sport an. Der 42-jährige hat freilich noch Ziele: "Es wäre schon interessant, den Weltmeistertitel zu verteidigen. Aber dazu sollte der Austragungsort in Europa liegen. Auch ein Duathlon wäre ein Thema für mich." International ist Elsner also kein Unbekannter. Beim Lauf "Rund um den Wolfgangsee" im Salzkammergut ist er eine feste Größe. "Die Tragödie beim Zugspitzlauf ist den Läufern selbst anzulasten", sieht Elsner kritisch den Spagat zwischen Ehrgeiz und Verstand, der bei solchen Extremläufen zu meistern ist. Mit Sorge blickt der Athlet freilich in Richtung Nachwuchs und fordert auf, sich dem Sport zu widmen: "Leider sitzen die Kids heutzutage mehr vor den Bildschirmen und Computern, der Nachwuchs macht sich rar und steht noch nicht in den Startlöchern." Dann holt Elsner, schon ein wenig stolz, Ordner hervor, die seine ganzen Erfolge beheimaten. Urkunden über Urkunden und Zeitungsausschnitte ohne Ende, belegen, dass sein Sport ihm viel bedeutet.
Doch Elsner stellt sich nicht in den Vordergrund, vielmehr dankt er seiner Familie, allen voran seiner Ehefrau Yvette, und seinen zwei Kindern, dass er sich die Zeit für sein Hobby nehmen darf, und seinem Verein: "Die Familie hält mir den Rücken frei und mein Verein, der SV Bergdorf Höhn, unterstützt mich vorbildlich." Derzeit sieht man Elsner auch auf dem Rennrad Kilometer abspulen, will er doch einen Mannschafts-Triathlon bestreiten und dabei die Rad-Disziplin übernehmen. So wünscht sich der Sportler vor allen Dingen Gesundheit, "damit ich noch viele Jahre joggen kann."