06.03.2011

Denkmalstreit

Denkmalsstreit

Coburg - Die Lage könnte auf der einen Seite etwas idyllischer sein: Regelmäßig rattern Züge am Gebäude Sonntagsanger 16 vorbei, und auch die direkt neben den Bahngleisen verlaufende Stadtautobahn verursacht tagsüber einen gehörigen Geräuschpegel. Doch auf der anderen Seite – und das ist jetzt ebenfalls buchstäblich gemeint – plätschert gemächlich die Itz entlang und verhilft dem roten Klinkersteingebäude durchaus zu einem heimeligen Umfeld. Aber wie lange noch?

So unterschiedlich der Standort des Gebäudes gesehen werden kann, so kontrovers wird jetzt auch über die Zukunft des 1891 errichteten Hauses diskutiert. „Die Firma Wormser hat einen Antrag auf Totalabbruch gestellt“, bestätigte Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB) dem Tageblatt auf Anfrage und sprach von einem „kniffligen Fall“.

Am Mittwoch, 16. März, wird der Bausenat im nicht-öffentlicher Teil seiner Sitzung über den Antrag von Wormser beraten. Das Gremium werde dann, so Ulmann, zwischen der Bedeutung eines Denkmals sowie den wirtschaftlichen Interessen der Firma abwägen müssen. „Da werden wir uns heftig Gedanken machen müssen“, weiß Ulmann bereits jetzt. Denn: „Wir wollen natürlich nicht im Weg stehen, wenn ein Unternehmer seine wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben will. Andererseits müssen wir uns die Frage stellen, ob ein Denkmal verschwinden soll.“

Bernd Nicol von der Wormser-Geschäftsleitung sagte gestern dem Tageblatt, dass die Entscheidung des Bausenats von existenzieller Bedeutung für den Wormser-Standort Coburg sei. Denn das Gebäude, „das zwar nicht aussieht wie ein Denkmal, aber eines ist“, passe leider nicht ins Gesamtkonzept. Außer zusätzlichen Flächen, die man dringend benötige, geht es dabei nach Tageblatt-Informationen vor allem um optische Vorgaben des BMW-Mutterkonzerns. Dieser will möglichst einheitliche Erscheinungsbilder aller Autohäuser, die seine Marken vertreiben.

Am Standort Coburg ist deshalb geplant, die offene Front des Parkhauses, in dem auf mehreren Etagen die Gebrauchtwagen präsentiert werden, zu verglasen. Diese optische Aufwertung würde aber kaum zur Geltung kommen, wenn – wie derzeit – das Gebäude Sonntagsanger 16 einen Großteil der Ansicht versperrt. Also soll es weg.

BMW-Standort in Gefahr

„Wir würden da etwas Schönes hinbekommen“, verspricht Nicol, verweist auf einen erfahrenen Coburger Architekten, der alles plane, und ergänzt: „Manchmal muss man eben einen Ast abschneiden, um den gesamten Baum zu erhalten.“ Heißt im Klartext: Ohne den Abriss sieht er den Wormser-Standort Coburg mit seinen knapp 50 Mitarbeitern ernsthaft gefährdet.

Eine Verlagerung komme übrigens für Wormser als mittelständisches Unternehmen nicht in Frage: „Das Areal im Sonntagsanger ist schön, und das wollen wir auch erhalten – die grüne Wiese ist nicht unser Stil“, so Nicol, der außerdem daran erinnert, dass vor einigen Jahren schon einmal eine Teilabrissgenehmigung für das Gebäude erteilt worden sei.

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