15.04.2011

Change it

Change it

Coburg - „Change it“ – so lautete das Motto des „Boys’ Day“, an dem sich gestern insgesamt 80 Coburger Betriebe beteiligten. 200 Jungen hatten sich dazu angemeldet. Das Ziel ist, geschlechtsspezifische Vorurteile gegenüber bestimmten Berufen abzubauen. „Die Jungen bekommen einen breiteren Blick bezüglich ihrer Berufwahl“, erklärte Ulrich Schmerbeck, Jugendpfleger der Stadt. „Sie sollen in ,Berufe für Frauen‘ hineinschnuppern, zum Beispiel im sozialen Bereich, in der Floristik, der Erziehung oder in der Pflege.“

Dieser Projekttag wird seit 2004 in Coburg durchgeführt, damals noch unter der Bezeichnung „Boys only“.

Die Schüler Valentin und Tobias nutzten die Gelegenheit, sich in der „Hofapotheke“ ein Bild vom Beruf der Apothekerin zu machen. Durch das Internet und ein Plakat in der Schule wurden die beiden auf den „Boys’ Day“ aufmerksam. „In der Apotheke finde ich es sehr interessant, es wird viel im Labor experimentiert“, sagt Valentin. Tobias fügt hinzu: „Wir wurden eingearbeitet und lernten sogar, wie man Handcreme herstellt.“ Auch das Mehrgenerationenhaus bekam männliche Verstärkung. Dort erhielten Philipp und Leonard Einblicke in die Küchenarbeit, die Pflege und den Beruf der Bürokauffrau.

Die Sozialpädagogin Christine Opitz war begeistert von der Motivation der beiden. Philipp, der später Sportjournalist werden möchte, fand den „Schnuppertag“ im Mehrgenerationenhaus „sehr interessant und mit viel Spaß verbunden“.

Leonard war überrascht, dass hier „so viel Verwaltungsarbeit“ zu erledigen ist. Auf die Frage, nach seinem Berufswunsch antwortete der Schüler: „Irgendwas Mathematisches. Allerdings finde ich etwas Soziales auch gut.“

Im Jugendzentrum „Domino“ konnten etwa 80 Jungen verschiedene Workshops besuchen. Im Workshop „Perform yourself“ wurde den Jungen geholfen, ihre eigenen Stärken besser kennenzulernen und zu nutzen.

Im Workshop „Airbrush“ ging es um Kreativität. Unter Airbrush wird im allgemeinen eine Maltechnik mit einer kleinen Spritzpistole verstanden, die etwas größer als ein Kugelschreiber ist. Mit Hilfe von Druckluft kann Farbe fein auf Objekte aufgesprüht werden. Die Jungen schufen einen Sternenhimmel mit Planeten. „Es ist eine Mischung aus Vorgabe und Eigenständigkeit der Jungs“, beschreibt Gerhard Heinzel vom Jugendzentrum Wüstenahorn die Idee der Geschichte.

„Mir geht es hierbei um Berufsorientierung“, beschrieb Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) den Sinn der Aktion. „Dieser Tag trägt dazu bei, Berufsperspektiven zu schaffen.“ Er nannte die Aktion ein „wirksames Instrument, um künftigen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken“.

Landrat Michael Busch (SPD) erklärte, dass „Jungs an typische Mädchenberufe herangeführt werden müssen“. Er befürworte die Unterteilung von Boys’ und Girls’ Day, da sich „Jungs und Mädchen dann einfach mehr trauen“. Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) zeigte sich überzeugt, dass noch einiges zu tun ist, um die etablierten Rollenbilder aufzulösen. „Das wird noch den einen oder anderen anderen Boys’ oder Girls’ Day brauchen.“

Susanne Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Coburg, befürwortete, dass Jungen und Mädchen unter sich sind. „Dann sagt man auch mal etwas, was eigentlich uncool ist.“

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