16.09.2011
Bürger am Zug
Rossach - Nudeln, Milch, Butter, Wurst- und Backwaren auf kurzen Wegen besorgen, beim Einkaufen Nachbarn treffen und ein Schwätzchen halten: Ja, so ein kleiner Dorfladen wäre schon eine tolle Sache und er würde das Dorf beleben. So wie Kerstin Schramm denken viele Rossacher. Bei der Bürgerversammlung im ehemaligen Landgasthaus "Weißes Roß" am Mittwochabend sprach sich die Mehrzahl der Teilnehmer für so einen Dorfladen aus. Jetzt, so der Bürgermeister der Gemeinde Großheirath, Udo Siegel, liege es in den Händen der Rossacher selbst, ob das Projekt im Rahmen der Dorferneuerung umgesetzt werden könne.
Die Dorferneuerung soll in Rossach spätestens Anfang des nächsten Jahres eingeleitet werden. Für reine Baumaßnahmen, so Rainer Albart vom Amt für Ländlichen Entwicklung, stehen bis 460 000 Euro Fördermittel zur Verfügung. Gefördert werden aber auch zukunftsträchtige Konzepte, dazu zähle die Belebung des Ortskerns, beispielsweise die Nutzung alter Bausubstanz. Ein Dorfladen könnte in einem der leer stehenden Häuser untergebracht werden. Idealerweise, so Siegel, im Gebäude des ehemaligen Gasthofs "Weißes Roß." Dort wird ein privater Investor ein innovatives Seniorenkonzept umsetzen. Die Planungen hat die Gemeinde bereits abgesegnet. "Sobald der Brandschutz geklärt ist und wir ,grünes Licht' haben, kann begonnen werden", so Siegel.
Das Haus an der Coburger Straße wurde schon als Tanzsaal und Übersiedlerheim genutzt, nun sollen eine Tagesbetreuung für Demenzkranke, Seniorenwohngemeinschaften und seniorengerechte Wohnungen eingerichtet werden. Die Gastwirtschaft soll verpachtet und es sollen Fremdenzimmer vermietet werden. In die ehemalige Metzgerei könnte der Dorfladen kommen. "Dies sieht das große Gesamtkonzept vor. Letztendlich entscheiden es aber die Rossacher, ob und wo der Laden hinkommt", sagte Siegel.
Der Arbeitskreis Soziales der Dorferneuerung hat vor längerer Zeit eine Umfrage gestartet. "Sie hat gezeigt, dass die Rossacher sich einen Laden wünschen", sagte Siegel. Ein Dorfladen nach Heilgersdorfer Vorbild funktioniere allerdings nur, wenn genügend Bürger bereit sind, eine finanzielle Einlage zu zahlen. Siegel: "Ich sage es deutlich, wir stimmen auch mit dem Geldbeutel ab."
Auch Gemeinderat Gerhard Schramm (FW) vom Arbeitskreis Soziales ist optimistisch: "Die Rossacher haben genug Energie, um das zu schaffen!" Morgen, Samstag, soll der Heilgersdorfer Dorfladen vor Ort besichtigt werden. Treffpunkt für alle interessierten Bürger ist der I-Punkt in Rossach, Abfahrt ist um 9 Uhr.
In dem Gebäude an der Coburger Straße in Rossach könnte ein Dorfladen entstehen. Bürgermeister Siegel sieht darin im Moment nur eine Option, aber eine, die gut in das Gesamtkonzept passen würde. Foto: Heinz Scheidmantel
Konzept ist auch für Rossach tauglich
Volker Hahn hat in Oberfranken bereits mehrere Dorfläden initiiert. In der Region wird neben dem Heilgersdorfer Laden, wo Hahn geschäftsführender Gesellschafter ist, bald auch in Untermerzbach ein "Tante-Emma-Laden" eröffnet. Hahn zeigte sich zuversichtlich, dass das Konzept auch in Rossach greife. "Was woanders möglich ist, geht auch in Rossach." Der Dorfladen soll ein Sortiment an Waren des täglichen Bedarfs anbieten sowie regionale Produkte. "Die Qualität steht vor der Quantität", so Hahn. Gestartet werden soll mit etwa 600 bis 700 Produkten.