14.12.2011
Boden ist nicht ersetzbar
Neustadt - Wenn es um „Landfraß“ geht, kann Gerold Mitlacher aus Rohrbach mitreden. Sein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb liegt genau zwischen den Verkehrsprojekten A 73 und ICE Ebensfeld Erfurt. Der Bauer verlor dabei hektarweise Land, das er bisher bewirtschaftete.
Vier Hektar wurden für die Autobahn gebraucht, weitere zehn für den Bau des ICE. Probleme hat Mitlacher vor allem mit dem Verlust von angepachteten Flächen. „Pachtland wird ersatzlos gestrichen“, stellt er fest. Etwa zwölf der verlorenen Hektar waren gepachtet. Anbaufläche, die dem Hof jetzt fehlt, denn neues Pachtland ist nicht so leicht zu bekommen.
Jeder Tag kostet 20 Hektar
Und: „Die Ausgleichsflächen sind da noch nicht dabei, da verliere ich noch einmal Land“, weiß der Landwirt, der Bauernverbands-Kreisobmann Gerhard Ehrlich eine Liste mit Unterschriften überreicht. Mitglieder des Bauernverbands haben unterschrieben und wenden sich damit gegen den hohen Landverbrauch in der Region.
„Damit haben wir jetzt mehr als 1000 Unterschriften zusammen. Das sind mehr als 60 Prozent der Mitglieder in der Region“, rechnet BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein vor. Noch während die regionale Aktion lief, müssen die BBV-Funktionäre schon wieder Unterschriften sammeln. Der Bundesverband machte sich das Thema inzwischen zu eigen und benötigt 50 000 Unterschriften, um einen Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen, die dem Landverbrauch entgegen wirken soll.
Seit 1970 wurden nach Angaben des Bauernverbandes der bayerischen Landwirtschaft 500 000 Hektar Land entzogen – fast so viel Acker und Grünland, wie es in ganz Niederbayern gibt. Bereits seit Jahren gehört es zu den Forderungen der Politik, diesen Prozess zu verlangsamen. Trotzdem weiß Gerhard Ehrlich: „Der Landverbrauch ist weiter gestiegen. Jeden Tag gehen rund 20 Hektar verloren.“ Das heißt, jeden zweiten Tag ist ein Hof durchschnittlicher Größe verschwunden.
Mit der neuen Unterschriftensammlung will der Bauernverband eine Petition auf den Weg bringen und fordert, dass auf gesetzlichem Weg landwirtschaftliche Nutzflächen als unvermehrbare Produktionsgrundlage zur Ernährungssicherung und für nachwachsende Rohstoffe geschützt werden. Ferner soll der Bundestag die Regierung beauftragen, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um den Flächenverbrauch durch Überbauung sowie durch Ausgleichsmaßnahmen zu reduzieren.
Wird Fläche überbaut, muss zum Ausgleich eine Fläche geschaffen werden, die dann naturschutzfachlich gestaltet wird. „Dadurch gehen weitere Flächen der Landwirtschaft verloren“, sagt Gerhard Ehrlich. Seine Forderung ist daher, verstärkt Industriebrachen zu renaturieren, für Grünflächen entlang der Verkehrsprojekte (wie Böschungen) nicht noch einmal Ausgleich zu verlangen und die Aufwertung bereits vorhandener geschützter Flächen auch als Ausgleich anzuerkennen.
Ein Aspekt, auf den der Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike (CSU) zu sprechen kam, als Gerhard Ehrlich im die Unterschriften der regionalen Aktion überreichte, um ihn zu bitten, die Probleme des Coburger Landes mit dem Landverbrauch in München zur Sprache zu bringen. Heike war nach seinen Worten aufgefallen, dass viele Streuobstwiesen einen ungepflegten Eindruck machen. „Sowohl was die Fläche an sich angeht, als auch bei den Bäumen.“ Diese Flächen zu pflegen und die Obstgehölze dort auszuschneiden, könnte nach Ansicht von Gerhard Ehrlich in den Maßnahmenkatalog des Landschaftspflegeverbandes aufgenommen werden.
Was den Umgang mit Ausgleichsflächen angeht stieß Ehrlich bei Heike auf offene Ohren. Dass etwa für Windkraftanlagen oder Solarfelder Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen, sehen die BBV-Vertreter ebenso wenig ein wie der Abgeordnete.