16.08.2010
BMX-Sport lebenslang
Für ihn ist es nicht einfach nur eine Funsportart, sondern sein Lebensinhalt: Als zwölfjähriger Teenager versuchte sich Markus Grempel das erste Mal auf dem BMX-Rad. In Coburg trug er zur Etablierung des Sports bei. "Der erste BMX-Boom war zu der Zeit fast vorbei. Skateboarden war schon wieder mehr im Trend", erklärt der 37-Jährige. Aber Skater und BMXer teilen denselben Lifestyle und deswegen sei man gut miteinander ausgekommen. Man packte auch zusammen an und so sei die Coburger Anlage über die Jahre gewachsen. "Die ersten Rampen haben wir alleine gebaut und auf Skateboards zum Stadtjugendring transportiert - heute undenkbar", verrät Grempel.
Mit dem 18. Geburtstag war Schluss mit der Einschränkung auf den Coburger BMX-Anlagen. "In der Regel war ich alle zwei Wochen auf allen möglichen Contests unterwegs", so Grempel. Bei den Wettbewerben seien manchmal bis zu 250 Fahrer an den Start gegangen. Jeder habe die Möglichkeit in zwei Läufen, sogenannten "Runs", 90 Sekunden lang seine besten und schwierigsten Tricks zu zeigen. Fünf Jurymitglieder bewerten nach Schwierigkeit, Sauberkeit und Höhe der Sprünge. Grempel betont jedoch, dass es beim BMX-Sport nicht vorrangig ums Gewinnen gehe. "Man will einfach mit seinen Kollegen eine coole Session hinlegen, bei der einer den anderen antreibt", so der BMX-Champion.
Grempels Paradedisziplin ist die Halfpipe. Das Training hierfür sei besonders kraft- und zeitaufwendig gewesen: Früher sei er jeden Tag mindestens vier Stunden lang die 3,5 Meter hohe Rampe gefahren - am Wochenende auch ganztags. "Heute schaffe ich es höchstens noch, 20 Minuten durchzuhalten", verrät Grempel. Eine besondere Schwierigkeit beim Fahren in der Halfpipe stelle das Eintauchen in die Rampe dar. Komme man nach einem Sprung unsauber auf, verliere man den nötigen Schwung für die nächste Seite. Und ab einem gewissen Niveau brauche man unter einer Höhe über der Kante unter drei Metern gar nicht erst antreten, so Grempel.
Auch wenn er nicht so sehr Wert auf Erfolge legt, hat der 37-jährige Coburger einige Titel vorzuweisen. Neben den deutschen Meistertiteln schmücken insgesamt zwei WM-Pokale seine Sammlung. Den ersten gewann er im Alter von 19 Jahren im französischen Limoges. Nummer zwei kam vier Jahre später 1996 in Köln hinzu. Die Vor- und Endläufe bei den Wettbewerben erstrecken sich meist über fünf bis sechs Tage. Dabei ist immer Stimmung unter den Fahrern angesagt. "Beim BMX-Fahren wird sehr viel Adrenalin freigesetzt. Dementsprechend laufen dann auch die Partys am Abend ab", schmunzelt Grempel. Es gebe nun mal nicht so viele BMXer auf der Welt. Jeder kenne jeden und mit der gemeinsamen Ausübung einer Randsportart entstehe eine tiefe Bindung. "Man knüpft Kontakte rund um den Globus", so der zweimalige Weltmeister.
Heute fährt er keine großen Wettbewerbe mehr. Dennoch macht sich Grempel hin und wieder auf zur WM - als Zuschauer. "Das ist dann immer wie ein großes Klassentreffen. Man kommt wieder zusammen mit seinen langjährigen Kollegen", so der BMXer. Die letzten Coburger Stadtmeisterschaften ließ sich der "Oldie" jedoch nicht entgehen und erreichte den zweiten Platz. Heutzutage kann der Routinier ohne Nervosität an die Sache heran gehen. "Ich steig' einfach auf mein Rad und gib' Gas."
Leider bringt der Sport auch ein hohes Verletzungsrisiko mit sich. In seiner 25-jährigen Laufbahn hat Grempel unter anderem zehn Knieoperationen, eine Wirbelsäulenfraktur und einen Bauchspeicheldrüsenriss hinter sich. Mit den Folgen hat er teilweise heute noch zu kämpfen. Dennoch wolle er nichts rückgängig machen, denn der BMX-Sport habe sein ganzes Leben nachhaltig geprägt. Treffen mit prominenten Sportlern und Politikern, der Aufbau seines eigenen Geschäfts oder die Reisen in andere Länder: All das habe er dem BMX-Lifestyle zu verdanken, betont Markus Grempel.