01.06.2011

Bei 60 ist Schluss

Bei 60 ist Schluss

Ebersdorf - Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Landrat Michael Busch, dem Bürgermeister der Gemeinde Ebersdorf, Bernd Reisenweber, und dem Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Coburg, Gerold Strobel, geht es bei einer Pressekonferenz am Montag im Landratsamt um eines: Sie wollen Klarheit schaffen, was in der Gemeinschaftsunterkunft in Ebersdorf bei Coburg passiert. In der Wilhelmstraße 10 werden jetzt sieben Wohnungen mit etwa 35 Asylbewerbern belegt. Die ersten neun von ihnen werden Anfang Juni ankommen, erläutert der Regierungspräsident. Allerdings weiß er nicht, welcher Nationalität sie sind und welcher Glaubensrichtung sie angehören.

Ob die Regierung von Oberfranken darüber hinaus im ehemaligen Firmengebäude in Ebersdorf weitere Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen anmietet, ist derzeit unklar. Das entscheidet sich in den nächsten Tagen, wenn rechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Brandschutz geklärt sind, sagt Wilhelm Wenning. Die letzte Entscheidung liegt hier beim Landratsamt. Gibt es die Genehmigung, sichert der Regierungspräsident zu, dass in Ebersdorf im Durchschnitt nicht mehr als 60 Personen untergebracht werden. Als die ersten Pläne für die Unterkunft bekannt wurden, war von bis zu 160 Flüchtlingen die Rede. Dagegen waren Anwohner auf die Barrikaden gegangen.

Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss erklären sich Landrat Michael Busch und Bürgermeister Bernd Reisenweber einverstanden. Zwar hätten sie im Landkreis Coburg lieber das Modellprojekt der dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern verwirklicht gesehen, also den Verzicht auf die Gemeinschaftsunterkunft in Ebersdorf und die Verteilung der Flüchtlinge auf leer stehende Wohnungen in den 17 Städten und Gemeinden des Kreises. Dieses "Coburger Modell" wird vom bayerischen Sozialministerium jedoch abgelehnt. "Das haben wir inzwischen akzeptiert", sagt Busch. Ganz zu den Akten legen will es der Landrat jedoch nicht. Vielleicht gebe es später die Möglichkeit, ein solches Modellprojekt doch noch umzusetzen. Die Bereitschaft des Landkreises Coburg, seiner Städte und Gemeinden, der Kirchen und Wohlfahrtsverbände, sich an der Verwirklichung zu beteiligen, bleibe bestehen. Auch die Zusage der wissenschaftlichen Begleitung werde weiterhin aufrechterhalten.

Die jetzt mit der Regierung von Oberfranken gefundene Lösung, in Ebersdorf vorerst 35, maximal aber 60 Asylbewerber unterzubringen, sei, so der Landrat, "vernünftig". Dafür dankt er Regierungspräsident Wenning ausdrücklich, der sich stark dafür eingesetzt habe, das Konzept zu verwirklichen. Es komme dem "Coburger Modell" durchaus nahe. Denn für Flüchtlingsfamilien, die schon längere Zeit in der Region wohnen, stehen kommunale Wohnungen, beispielsweise aus dem Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, zur Verfügung. Diese werden, wie Wenning betont, auch genutzt werden. Im Gegenzug werde keine weitere Gemeinschaftsunterkunft im Kreis Coburg eingerichtet. Sowohl der Ebersdorfer Bürgermeister Reisenweber als auch der Vorsitzende des Kreisverbands Coburg im Bayerischen Gemeindetag, Bürgermeister Gerold Strobel (Bad Rodach), erklären sich am Montag mit dieser "vernünftigen Regelung" (Reisenweber) einverstanden.

Coburger Tageblatt Logo Wolfgang Braunschmidt