14.02.2012
Die Therme wird 40
Bad Rodach - Mit einem Molkereibottich als große Badewanne hat vor 40 Jahren alles angefangen. Rodach als "Stadt im toten Winkel" im Schatten der Grenze zur DDR wollte endlich raus aus dem wirtschaftlichen Abseits. Als am 1. März 1972 eine Quellbohrung auf 652 Metern Tiefe mit 34 Grad erstaunlich warmes Heilwasser zutage förderte, sahen die Bürger einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Der Zuspruch der Bevölkerung zum Thermalbad war enorm. "Wie eine Art Aufbruchsstimmung. Es gab keine Diskussion im Gasthaus, bei der nicht über die Anerkennung Rodachs zum Bad gesprochen wurde", erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Ernst Engelmaier.
Heute ist die ThermeNatur wegen ihres viel gelobten Heilwassers bundesweit bekannt. Und doch können sich die Verantwortlichen nicht zurücklehnen. Der Betrieb schreibt rote Zahlen. Für die Zukunft verliert Bürgermeister Gerold Strobel nicht die Hoffnung, dass sich die Stadt Coburg neben dem Landkreis ebenfalls an den Kosten für die Therme beteiligt. "Wenn ich sofort Entscheidungen herbeiführen wollte, ginge das sicher negativ aus", sagt er gegenüber der Neuen Presse. "Aber noch gibt es keinen Beschluss eines Senats, dass sich die Stadt nicht beteiligen wird." Stehe das Thermalbad unter regionaler Trägerschaft, so habe das eine völlig andere psychologische Wirkung nach außen. Dessen ist sich Strobel sicher. Gerüchte, dass eine Sanierung des Gebäudes anstehe, wies der Bürgermeister zurück: "Die Therme befindet sich in einem ordentlichen Zustand. Es geht vielmehr um eine Modernisierung, Weiterentwicklung." So soll beispielsweise eine Fitnessabteilung eingerichtet, die Empfangshalle umgebaut und die Eintrittskarten mit Magnetstreifen durch Chipcoins ersetzt werden. Auf diese könnten sich die Besucher die Rechnungsbeträge von Bistro oder "Vitabar" einfach abspeichern lassen und erst beim Verlassen der Therme bezahlen.
Gerold Strobel verliert sein Ziel nicht aus den Augen. Schließlich war es in den 1990ern ein langer Weg für ihn, der Stadt zum staatlich anerkannten Heilbad zu verhelfen. "Die Bayern schauen da schon ganz genau hin, bevor sie so einen Titel vergeben", sagt er. Und deswegen mussten zunächst die zweite Heilquelle neu verrohrt und die Kläranlage verlegt werden. Letztere reichte bis in eine Wasserschutzzone. Der Staat verlange aber, dass ein Heilbad eine qualitativ einwandfreie Trinkwasserversorgung vorweisen kann, erklärt Strobel. Zudem sei der Nachweis eines geeigneten Klimas und reiner Luft notwendig. Hierfür musste Bad Rodach eine Messreihe über 52 Wochen durchführen. Nachdem es vor Ort auch eine Einrichtung für stationäre Kuren gab, durfte sich die Stadt schließlich 1999 - genau 1100 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung -, staatlich anerkanntes Heilbad nennen.
Das Wasser der Therme verweilt zwischen 3000 und 5000 Jahren unter der Erde, ehe es nach oben gefördert wird. "Bevor dieser Strom versiegt, müsste es sieben Jahre nicht regnen. Es besteht also kein Grund zur Sorge", schmunzelt Strobel.
Auch konzeptionell soll es erst einmal so weitergehen wie bisher. Den eingeschlagenen Weg mit Events wie dem singenden Bademeister will Geschäftsführerin Gabriele Lippmann vorerst nicht verlassen. Schließlich würden die Standardveranstaltungen gut angenommen. Wohl aber beobachte sie kritisch die Entwicklung, da auch immer mehr jüngere Besucher kämen und man das Programm gegebenenfalls anpassen müsste. Zudem stehe für Lippmann im Vordergrund, Bad Rodach noch bekannter und mit gezielten Veranstaltungen auf die Therme aufmerksam zu machen. "Wichtig ist für mich, den Menschen Freude und Spaß zu gewährleisten", sagt die Geschäftsführerin.